Vätternrundan - 300 km rund um den See

In Radsportkreisen ist die Vätternrundan sehr bekannt. Seid 1966 wird in Motalla (Schweden) das Rennen um den Vätternsee organisiert. Die Teilnehmerzahlen steigen regelmäßig. Waren bei der ersten Austragung 344 Starter dabei nehmen inzwischen jedes Jahr über 20.000 Fahrer teil.

Dabei ist es eigentlich falsch von einem Rennen zu sprechen. Es werden zwar die Zeiten der einzelnen Starter gemessen. Plazierungen werden jedoch nicht bekannt gegeben. Und so finden sich auf der Strecke vom ambitonierten Amateurradclub, der in großen Gruppen möglichst schnell um den See kommen will, bis zum genießenden Tourenradfahrer mit Blumen im Fahrradkorb alle möglichen Leistungsklassen.

Im Herbst 2017 fragte Marko bei uns in der Trithlonabteilung wer den Lust auf das Abenteur Vätternrundan hätte. Schnell fanden sich ein paar Sportskameraden die mal etwas neues ausprobieren wollten. Also haben sich im bei der Öffnung der Anmeldung sechs TVE Triathleten für die große Runde eingeschrieben.

Natürlich hatte ich Zweifel ob ich eine Strecke von 300 km am Stück fahren könnte. Aber es war ja noch lange Zeit. Bisher habe ich es selten geschafft den Winter konsequent durch zu trainieren. Ich hatte mir aber fest vorgenommen das ich es in diesem Jahr besser mache. Sehr viele Radkilometer bei (fast) jedem Wetter sollten mich fit für die Rundfahrt machen. Leider kam es anders.....

Mitte Dezember fielen ein paar wenige Schneeflocken im Münsterland. Aber das reich wenn man die falschen Schuhe anzieht. Direkt vor unserer Haustür bin ich ausgerutscht. Im ersten Moment dachte ich das es nicht weiter schlimm ist. An den Händen habe ich mir nichts getan. Der Blick nach hinten hat mich dann aber eines besseren belehrt. Der Fuss war um fast 180° nach hinten verdreht.

So kam ich dann zu meiner ersten (und hoffentlich letzten) Fahrt in einem RTW. Im Krankenhaus dann die bitter Diagnose: Sprunggelenk, Wadenbein und die vordere Schienbeinkante gebrochen. Zudem das Syndesmoseban eingerissen...

Heißt diese Diagnose nun schon das frühe Aus für meinen Traum von der Vätternrundan? Die Ärzte machten mir zumindest ein wenig Hoffnung. Ein solches Radrennen wäre evtl. mögliche. Ein Triathlon in 2018 schon schwieriger.

Einige Wochen durfte ich den Fuss gar nicht belasten. Erst im März habe ich erste Einheiten auf dem Heimtrainer gemacht. Anfang April ging es dann zum ersten Mal mit dem Rennrad nach draußen. Zehn Wochen Zeit blieben mir noch für das Training.

Reicht das fürs Training? Was blieb mir übrig als es zu probieren. In den folgenden zehn Wochen habe ich dann wirklich so intensiv und konsequent trainiert wie sonst wohl kaum. Am Ende hatte ich dann gut 2.000 km in der Vorbereitung absolviert. Die längste Strecke war dabei ca. 120 km lang. Ich hoffte das reicht für die Vätternrundan.

Am Mittwoch vor dem Rennen starteten wir abends um 18 Uhr unsere 1000 km lange Anreise nach Motala. Niemand von uns hatte Lust diese Strecke in einem Rutsch zu fahren. Daher haben wir in Neustadt/Holstein einen Zwischenstopp eingelegt.

Hier haben zwei von uns auf Uli's Segelboot geschlafen. Wir anderen Drei haben, wie die weiterern Nächte auch, im Wohnmobil geschalfen.

Am Donnerstag sind wir zeitig aufgestanden. Nach einer erfrischenden Dusche haben wir uns in einem Cafe noch ein gutes Frühstück gegönnt.

Da die Spritpreise in Scandinavien höher sind als in Deutschland haben wir in Heiligenhafen noch einmal voll getankt. Dann ging es auf in Richtung Fehmarn um die Fähre in Richtung Dänemark zu nehmen.

Die Fähre nach Rödby fährt von Puttgarten. Es war die erste Fahrt die ich mit dem Wohnmobil auf einer Fähre gemacht habe. Oft liest man Geschichten im Internet von Fahrzeugen die mit dem Heck aufsetzen. Dies war aber kein Problem. Wir fuhren auf die Fähre und wenig Minuten später ging es auch schon auf die gut einstündige Fahrt.

Nun folgten einige Kilometer durch Dänemark. Für die Überfahrt nach Schweden haben wir die Öresundbrücke genommen. Die Verbindung zwischen Kopenhagen und Malmö ist ein fazinierendes Bauwerk. Die Überfahrt ist wenig spektakulär. Dafür ist sie recht teuer.

In Motala gibt es divers Möglichkeiten der Übernachtung. Es sind z.B. sehr viele Fussballplätze für die Nutzung mit Zelt, Wohnwagen oder Wohnmobil frei gegeben. Wir wollten jedoch lieber auf einen Campingplatz um dort auch die sanitären Einrichtungen nutzen zu können.

Frühzeitig haben wir daher zwei Stellplätze auf dem kleinen, gemütlichen DHR Camping reserviert. 

Am Freitag sind wir dann mit dem Shuttlebus in die Innenstadt von Motala gefahren. Dort haben wir uns die Startunterlagen abgeholt und uns dann noch ein wenig die Stadt angesehen. Zeit für den einen oder anderen Spaß blieb dabei natürlich auch.

Natürlich haben wir auch schon einmal den Start und Zielbereich begutachtet.

Zurück auf dem Campingplatz hieß es dann die Zeit bis zum Start rum bekommen. Das war wenig spannend. Der eine oder andere hat noch mal eine Stunde geschlafen. Aber natürlich wurden auch die Räder auf die Runde vorbereitet. Hieß es doch auch Kleidung für unterschiedliche Temperaturen dabei zu haben. Nachts wurde es frisch mit einstelligen Temperaturen. Bei der erwarteten Zielankunft in der Mittagszeit waren aber auch gut 20 Grad drin. Und wenn es dann auch noch regnet?

Die Diskussionen über das richtige Equipment waren teilweise schon amüsant. Auch Licht musste am Rad angebracht werden da wir einen Teil der Strecke im Dunkeln fahren mussen.

Auf dem Bild links ist mein Rad fertig gepackt zu sehen.

Es geht los!

Die über 20.000 Starter werden in einzelnen Blöcken zu je ca. 60 Fahrern auf die Strecke geschickt. Der Abstand beträgt zwei Minuten. Die ersten paar Hundert Meter sind mit Gittern abgesperrt und ein Motorrad führt einen aus Motala raus.

Die weiter Strecke ist nicht abgesperrt und für den normalen Verkehr frei. Besonders Nachts aber auch später am Vormittag ist auf den Strassen relativ wenig los. Nur am später hatten wir einmal einen kleinen PKW Stau. Aber auch das war kein großes Problem.

Die Strecke lässt sich sehr schön fahren. Zum großen Teil geht es über Landstaßen. Besonders in der Nacht ist es beeindruckend die lange Schlange von Rücklichtern vor sich zu sehen. Die Ausschilderung der Strecke ist sehr gut. Die meisten Kreuzungen sind auch mit Steckenposten besetzt. Besondere Schwierigkeiten gibt es nicht. Auf der 300 km langen Strecke sammeln sich zwar angeblich 1500 Höhenmeter. Diese sind aber gut verteilt. Die paar steileren Anstiege habe selbst ich als bekannt schlechter Bergfahrer problemlos geschafft.

Sehr gut ist zudem die Verpflegung auf de Strecke. Insgesamt gibt es neun Depots. Bei manchen gibt es nur Getränke und ein wenig Obst. Es gibt aber auch die großen Depots mit warmen Essen wie Kötbullar oder Lasagne.

Wie oben schon geschrieben startet alle zwei Minuten ein Startblock. Für die einzelnen Blöcke werden sehr gut die Startzeiten angezeigt. Uns war die Startzeit 22:44 Uhr zugeteilt worden. Die Helfer haben den Block frei gegeben und wir sind nach vorne gerollt. Pünktlich wurde dann das Seil entfernt und wir durften auf die Strecke. 

Neben der langen Strecke war das Fahren durch die Nacht eine meiner Befürchtungen. Eigentlich brauche ich doch meinen Schlaf. Was mache ich wenn ich in der Nacht wirklich müde werde? Zum Glück hat das besser geklappt als ich dachte. Die ersten Stunden ist der Spaß und das Adrenalin noch so hoch das man an Müdigkeit gar nicht denkt. Zudem fing es ab ca. 2 Uhr auch schon wieder an hell zu werden. Einen müden Punkt bekam ich allerdings dann gegen vier Uhr. Ich muss wirklich kämpfen nicht auf dem Rad einzuschlafen. Aber dieser Kampf dauert auch nur eine halbe Stunde. Dann war die Müdigkeit verfolgen und ich konnte die Fahr  wieder genießen. 

Wie oben schon geschrieben ging es über die unterschiedlichsten Streckenabschnitte. Nach dem Start waren wir viel auf kleineren Landstraßen unterwegs. Allerdings waren dies auch die drei Stunden Dunkelheit. So konnten wir wenig von dem sehen was rechts und links von der Strasse war. Nach ca. 100 km ging es nach Jönköping. Dies war die größte Stadt auf der Strecke. Wir waren dort aber am frühen Morgen unterwegs so das auf den Strassen nicht viel los war.

Kurz nach Jönköping ist dann auch die stärkste Steigung der Strecke. Ich habe keine Ahnung wie lang und steil das Stück ist. Es zieht sich ein wenig und war für mich schon anstrengend. Aber auch das ging ohne Probleme und im Anschluss konnte man eine schöne Abfahrt genießen. 

Der Rest der Strecke ging dann wieder über Landstraßen. Zum Teil ging es über große, breite Strassen. Es gab aber auch Abschnitte die uns durch schöne Wälder führten. 

Wie oben schon geschrieben gab es auf der Strecke insgesamt 9 Verpflegungsdepots. Ich glaube wir haben bei sieben davon angehalten und uns reichlich verpflegt. Zudem war dort immer die Gelegenheit zusätzliche Kleidung anzuziehen (besonders in der Nacht und am frühen Morgen) oder diese später wieder abzulegen (je mehr es auf den Mittag zu ging). Die Stimmung dort war eigentlich immer sehr entspannt. Das Bild unten entstand auf dem Depot bei Kilometer 225. Das ist auch sehr schön auf dem Bild unten zu sehen. 72 km to go...!

Eine letzte Herausforderung gab es noch einmal ca 20 km vor dem Ziel. Nach einer scharfen Kurve sah man auf einmal eine Wand vor sich ;-)

Das ist natürlich übertrieben. Aber mit bereits 280 km in den Beiden kann so eine kurze aber knackige Steigung schon einmal ganz schön an die Substanz gehen. Entsprechend abgekämpft sehe ich hier auch aus.

Warum waren die Kollegen eigentlich schon oben und konnten entspannt lächelnd das Foto machen? Aber lassen wir das.

Ich habe hier meine letzten Kräfte gelassen. Die letzten Kilometer fielen mir wirklich schwer und ich musste alle anderen ausbremsen. 

Die Runde hat wirklich sehr viel Spaß gemacht. Wir waren eine tolle Truppe und hat von der Abfahrt in Greven bis zur Rückkehr sehr viel Spaß! Wir sind gemeinsam gestartet, auf der Strecke fast immer zusammen unterwegs gewesen. Sehr stolz und froh hat mich gemacht das wir nach einer Fahrzeit von knapp 11 Stunden gemeinsam über die Ziellinie in Motala gefahren sind! Vielen Dank!

Die Finishermedalie haben wir uns redlich verdient!