Mecklenburger Seen Runde 2019

Morgens 02:30 Uhr. Es ist stockdunkel. Warum klingelt der Wecker?

Stimmt! noch 1:20 Stunde. Dann geht es für meine Startgruppe auf die 302 km lange Strecke der Mecklenburger Seen Runde. Gemeinsam mit Elisabeth will dich die Strecke absolvieren.

Kurz ein Energieriegel als erstes Frühstück und dann fahren wir entlang des Tollensesee die 6 km zum Start im Kulturpark von Neubrandenburg.

Hier fällt schon der erste Unterschied zum Vorbild auf. Es geht deutlich ruhiger zu als in Motala bei der Vätternrundan. In Neubrandenburg starten aber auch nur ca. 4.000 Radfahrer im Vergleich zu 22.000 Fahrern in Schweden.

Am Vorabend zwischen 20:00h und 22:00h sind die ersten Starter auf die Strecke gegangen. Am Samstag Morgen starten die restlichen Teilnehmer zwischen 03:00h und 07;00h. Unser Startblock um 03:50h ist noch recht klein. Die großen Gruppen werden ab 04:00 Uhr folgen.

Pünktlich um 03:50h geht es auf die Strecke. Die ersten Kilometer durch das verschlafene Neubrandenburg fahren wir hinter einem Polizeifahrzeug. Ich genieße die Ruhe und lasse es ganz gemütlich rollen. 

Als die Polizei den Weg frei macht wird sofort klar was uns heute erwartet. Wir fahren direkt in den ersten Anstieg. Ich wechsel auf das kleine Kettenblatt und fahre in meinem Tempo hinauf. Oben lasse ich rollen und warte auf Elisabeth.

Unsere Startgruppe hat sich am ersten Berg bereits aufgelöst. So fahren wir die nächsten Kilometer allein durch das stille Land. Kurze Anstiege wechseln sich mit entsprechenden Abfahrten ab. Flach ist es auf der gesamten Strecke nur sehr selten. Zudem müssen wir auf den ersten 200km fast ständig mit dem teilweise recht kräftigen, böigen Wind kämpfen. 

Erst kurz vor der ersten Verpflegungsstation nach 41km werden wir von den ersten Radfahren aus den nachfolgenden Startgruppen überholt. Einige Gruppen fahren mit sehr hohem Tempo vorbei. Andere fahren nur wenig schneller als wir. Da schließen wir uns immer wieder für wenige Kilometer mit. An den Anstiegen müssen wir diese Gruppen aber leider ziehen lassen. 

Sieben Verpflegungsstellen gibt es auf der Strecken. Ihre Abstände liegen zwischen 31km und 47km. Wir haben uns vorab entschieden an jeder Station kurz zu halten, ein wenig zu essen und die Trinkflaschen aufzufüllen. 

Die Helfer an den Stationen sind sehr nett. Es gibt je nach Station Obst, Käse-, Schinken- und/oder Schmalzbrote. Zusätzlich werden teilweise warme Speisen gereicht. 

An einigen Verpflegungstellen wurde sogar ein Lagerfeuer zum Wärmen entzündet. Dies wurde  von vielen Teilnehmer dankbar angenommen. Den Wind hatte ich schon angesprochen. Dieser war recht böig und auch kalt. Leider ließ sich auch die Sonne bei Temperaturen um max. 17 Grad kaum sehen. Wir waren froh das es zumindest trocken blieb.

Die ersten gut 200km fuhren wir problemlos in unserem Tempo. Langsam aber sicher macht sich dann bei mir der Kraftverlust bemerkbar. Eine so lange Strecke mit den Höhenmetern und dem Gegenwind ging doch an die Substanz. So freute ich mich auf die Verpflegungsstation bei Kilometer 240. Nach einer so langen Belastung habe ich oft Probleme mit dem Magen und kann kaum noch etwas essen. Ich wusste aber das mir eine Cola helfen würde

Leider gab es diese hier nicht. So habe ich eine Kleinigkeit gegessen und Wasser getrunken. Zudem haben wir uns an dieser Station länger aufgehalten. Wir haben uns eine Weile ins Gras gelegt um wieder zu Kräften zu kommen.

Leider hat das nicht viel genützt. Die 39 km bis zur letzten Verpflegungsstation gut 20 km vor dem Ziel wurden für mich zur Qual. Mit deutlich geringem Tempo als bisher fuhr nun ich hinter Elisabeth. Teilweise war ich wirklich am Zweifeln ob ich es bis ins Ziel schaffe. 

Aber auch diesen Abschnitt haben wir geschafft. An der letzten Verpflegung habe ich zwei Becher Cola getrunken. Obwohl ich es kaum für möglich hielt kehrte meine Kraft zurück. 

Mit frischem Schwung sind wir auf die Räder gestiegen und haben die letzten Kilometer in Angriff genommen. 

14 Stunden und 23 Minuten nach dem Startschuss sind Elisabeth und ich gemeinsam ins Ziel gefahren. 302 km mit über 2000 Höhenmeter haben wir bezwungen. Stolz lassen wir uns von den Helfern die Medalien um den Hals hängen. 


Fazit: Die Mecklenburger Seen Runde ist eine sehr gut organisierte Veranstaltung. 302 km Strecke sind schon einen Herausforderung an sich. Die über 2000 Höhenmeter machen es noch einmal schwieriger. Die Strecke ist teilweise sehr schön und führt durch ruhige Wälder. Es gibt aber auch Abschnitte mit viel Autoverkehr. Zudem ist auf den Nebenstrecken oft ein sehr schlechter Strassenbelag. 

Der Vergleich mit der Vätterrundan fällt mir schwer. In Schweden fährt man aufgrund der viel höheren Teilnehmerzahl so gut wie nie allein. Das hat vor aber auch Nachteile. 

Die Strecke rund um den Vätternsee erscheint mir aufgrund der Höhenmeter und des besseren Strassenbelags als einfacher. 

Die Verpflegungsstellen sind bei beiden Veranstaltungen von gleicher, hoher Qualität. 

Ich bin froh beide Rennen einmal gefahren zu sein. Ich will auch nicht ausschließen dort noch mal an den Start zu gehen. Konkret planen werde ich es aber zunächst nicht.